Ganderkesees Ortskern nicht veröden lassen

Bereits mehrfach hat sich die SPD Ganderkesee auf Anregung der Ortsgruppe Süd mit der Situation im Ortskern Ganderkesee, insbesondere in der Rathausstraße und um den Markt herum, beschäftigt. Angeregt wurde dies durch eine engagierte Bürgerin und eine Geschäftsfrau, die beide den derzeitigen Zustand und die absehbare Entwicklung in diesem Bereich einfach nicht hinnehmen wollen.

Beide sehen diese Entwicklung in untermittelbarem Zusammenhang mit der Neuaufstellung und massiven Vergrößerung der beiden Verbrauchermärkte und der Neuansiedlung eines großen Drogeriemarktes. Verstärkt wird dies ihrer Meinung nach noch durch die Umsiedlung des Aldi-Marktes vom südlichen an den nördlichen Rand des Zentrums wo er an den Inkoop-Markt angedockt hat. Von diesem Markt gibt es keine Beziehung zum Ort, so die Meinung, der sich die SPD vorbehaltlos angeschlossen hat. Auch der Familamarkt hat sich so weit es geht an den Rand des Ortszentrums zurückgezogen und ist bisher an diesen eher notdürftig angeschlossen.

Auf Eigeninitiative der beiden Initiatorinnen haben sich in der Vergangenheit bereits Geschäftsleute und Immobilienbesitzer in privaten Rahmen getroffen und beraten. Da zur gleichen Zeit die politischen Beratungen der zukünftigen Marktplatzgestaltung begannen, war das für die Ortsgruppe ein guter Anlass, sich hiermit zu beschäftigen. Dazu wurden Vertreter der Betroffenen und der QiN-Initiative, die sich seinerzeit ja auch in beiden Projekten intensiv mit dem Ortskern und der Markt-Gestaltung beschäftigt hat, in eine Sitzung der Ganderkeseer SPD eingeladen. Zusätzlich fand zusammen mit Geschäftsleuten und Mitgliedern der SPD Fraktion eine Begehung des Marktes und der Passage zwischen dem Markt und Famila statt. Daraus resultierten einige ganz klare Erkenntnisse und Vorschläge, die den teilnehmenden Fraktionsmitgliedern mit auf den Weg gegeben wurden.

Es ist ganz eindeutig das eingetreten, was  Skeptiker / Kritiker der Planungen bereits zu Beginn befürchten haben. Alle Investoren haben ganz eindeutig, und das ist von ihrem internen Standpunkt ja auch logisch und absolut richtig, für sich und nicht für den Ort geplant. Die Anbindung an den Ort verstehen sie nur als Weg in eine Richtung, nämlich hin zu ihnen, und keineswegs in die andere Richtung von ihnen zum Ort, den sie logischerweise als nichts anderes als den Herkunftsort ihrer Kundschaft betrachten. Hier ist es Aufgabe der Politik korrigierend einzugreifen, soll das Ortszentrum weiterhin als lebendiger Aufenthalts- und Begegnungsort der Bürger bestehen.

Derzeit haben wir beginnende Leerstände im Zentrum. Und wir haben Klagen von Geschäftsleuten über die Verlagerung von Kundenströmen zu Lasten des Ortszentrums. Weitere Leerstände müssen daher zwingend vermieden werden, die Kundschaft, vor Allem die „Laufkundschaft“ muss in das Zentrum zurück. Derzeit, so die betroffenen Geschäftsleute, leben sie vorrangig von treuen Stammkunden. Neue Stammkunden, und die brauchen sie um ihre Geschäfte zukunftssicher aufzustellen,  gewinnt man vorrangig aus der „Laufkundschaft“. Sie bitten Politik und Verwaltung daher darum, aktiv für einen interessanten Branchenmix im Ortszentrum zu sorgen, dies gehört  ihrer Meinung nach ganz oben auf die Agenda der Wirtschaftsförderung.

Damit kann man die Immobilienbesitzer nicht alleine lassen, denn die vermieten, und das ist verdammt logisch, irgendwann einmal an jeden Interessenten, um überhaupt noch Mieter zu haben. Andererseits sinken durch Leerstände die Mieten und das nicht nur für die Geschäftsräume sondern auch für die Räume / Wohnungen in den Stockwerken darüber. So beginnt eine Abwärtsspirale des Quartiers bis hin zu seiner Verödung, die Politik und Verwaltung, zögern sie anfangs zu lange, später mit viel Investitionen versuchen müssen zu stoppen, bzw. rückgängig zu machen. Daher ist es besser, damit so rechtzeitig wie möglich zu beginnen, nämlich jetzt.

Konkret wurden den Ratsmitgliedern folgende kurzfristig umsetzbare Vorschläge mit auf den Weg gegeben:

  • Optische Anbindung des zukünftig neu gestalteten Marktes durch die Passage des Famila-Altgebäudes über das Parkdeck und die Treppe zum Familaparkplatz durch farbliche Anpassung an die Pflasterung des Marktes, ideal im gleichen Pflaster
  • Benennung der Passage als „Marktpassage“ verbunden mit einer deutlichen Beschilderung der Passage auf beiden Seiten.
  • Ein Schild „Zur Marktpassage“ sollte zusätzlich am Fahrstuhlturm zwischen Familaparkplatz und dem Parkdeck angebracht werden.
  • Die bisher langweilig graue Betonwand des Parkdecks in Richtung Familaparkplatz eignet sich hervorragend für eine Beschilderung die auf die Angebote in der Rathausstraße hinweist, entweder als Werbeschilder der dortigen Geschäfte oder durch symbolische Hinwiese darauf, was dort alles angeboten wird!
  • Die Treppe vom Familaparkplatz zum Parkdeck wurde dabei allgemein als zu steil bemängelt, ob hier eine Nacharbeit möglich ist wurde aber im gleichen Atemzug bezweifelt.
  • Die Anbindung von Famila in den Ortskern muß für Fußgänger, Radfahrer, Mütter mit Kinderwagen, Senioren mit Rollis verbessert werden. Dies vor Allem unter dem Gesichtspunkt, das die Gemeinde sich selber als „familienfreundlich“ definiert hat!
  • Für die derzeitigen Leerstände hinter dem Rathaus wünschen sich die Geschäftsleute auch auf die Gefahr eines „Overshoppings“ wenigstens teilweise eine Weiternutzung als Geschäftsräume um so die woanders oft diskutierte „Knochenstruktur“ ansatzweise wieder herzustellen um so einen Lauf im Zentrum zu erzeugen. Im Augenblick sind nahezu alle Kundenströme auf den nördlichen Rand des Ortskerns konzentriert, bildlich gesprochen: das Schiff ist einseitig beladen und hat extreme Schlagseite, es muß also alles dafür getan werden auch der anderen Seite, der Südseite des Ortskerns wieder Gewicht zu geben.