Ausgabe 18 vom 16. Juni 2026
Busknotenpunkt Kirchhatten vor dem Aus?
Auf Antrag der CDU-Fraktion fand im April 2026 eine Informationsveranstaltung für die Ratsmitglieder statt. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam zu erörtern, ob im Gemeindehaushalt weitere Einsparpotenziale vorhanden sind und welche Maßnahmen gegebenenfalls zur Konsolidierung der Finanzen beitragen könnten. Dabei wurden verschiedene Ausgabenbereiche betrachtet und Möglichkeiten diskutiert, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde auch in Zukunft zu sichern. Am 20. Mai 2026 hat dann der Finanzausschuss beraten, ob und welchen Vorhaben umgesetzt oder gestrichen werden können. Dabei ging es auch um den geplanten Busknotenpunkt in Kirchhatten. Laut Sitzungsvorlage für diesen Ausschuss hat sich der Eigenanteil der Gemeinde innerhalb eines Monats von ca. 2,2 Millionen auf 3,4 Millionen Euro erhöht. Es wurden plötzliche Preissteigerungen eingerechnet, die in ihrer Art und Weise nicht nachvollziehbar sind. Die Zuschüsse, die schon vorher nicht vollständig abgebildet waren, wurden ohne Begründung aus der Vorlage gestrichen. Abschließend muss darüber nun der Gemeinderat entscheiden.
Um zu einer umfassenden Beurteilung zu gelangen, möchten wir die wesentlichen Fakten noch einmal zusammenfassen und darstellen, wie es zu dieser Planung gekommen ist. Nur auf der Grundlage eines vollständigen Überblicks über die bisherigen Entscheidungen, Entwicklungen und Rahmenbedingungen lässt sich die aktuelle Situation nachvollziehen und fundiert bewerten.
Während der Planung und Umsetzung von Maßnahmen aus der Dorferneuerung, die durch die umfangreichen Beteiligungen und Wünsche aus den zahlreichen Bürgerversammlungen für die Ortsdurchfahrt Kirchhatten entwickelt wurden, war schnell klar, dass der Marktplatz als Busknotenpunkt zu klein und deshalb auch gefährlich ist. Während der Gesamtplanung wurde die Idee entwickelt, den Busknotenpunkt an den jetzt vorgesehenen Platz zu verlegen. Mit dieser Planungsgrundlage wurden auch die Baumaßnahmen am Marktplatz umgesetzt. Alle waren sich seinerzeit einig, dass die in der Dorferneuerung entwickelte Variante auf der jetzt diskutierten Fläche für die Anzahl der Busse ideal ist und die gesamte Ortsdurchfahrt entlastet. Offen blieb zunächst, ob und in welcher Höhe sich das Land an den umfangreichen Baumaßnahmen und der damit einhergehenden Verlegung der Landesstraße beteiligt.
Grundlage für die bisher beschlossene und im Planfeststellungsverfahren befindliche Konzeption war der Abschluss der Umbaumaßnahmen aus der Dorferneuerung „vom Kreisel zum Kreisel“. Als bedeutender Vorteil wurde angesehen, dass mit der „großen Variante“ auch die Kreuzung an der Munderloher Straße (Tankstelle) gleichzeitig mit der neuen Verkehrsführung entschärft und damit sicherer wird. Mit dem Bau von entsprechenden Nebenanlagen sollte dann für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, unabhängig vom Fortbewegungsmittel, maximale Sicherheit geschaffen werden. Auch war für den dort geplanten Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses auf dem Gelände wichtig, dass die Kameradinnen und Kameraden im Einsatzfall schnellstmöglich in jede Richtung ausrücken können. Dies verhindert aber die „kleine“ Variante.
Die Vorteile der Planung lagen und liegen auch jetzt noch auf der Hand:
Die mitunter gefährlichen Situationen durch Busbegegnungsverkehr auf dem Marktplatz hätten ein Ende. Mit dieser P&R‑Station würde auch der ÖPNV nach Oldenburg und in den Landkreis gestärkt werden. Die jetzige Einmündung der Munderloher Straße birgt hohes Gefahrenpotential. Außer den drei Landesstraßen gibt es die Zuwegungen zur Tankstelle und drei weitere Zu- bzw. Ausfahrten.
Die umfangreichen Beteiligungen mit den Bürgerinnen und Bürgern aus der Dorferneuerung hatten viele Einzelmaßnahmen identifiziert, wie der Kreuzungsbereich Munderloher Straße, das neue Feuerwehrgerätehaus und die gefährliche Situation am Marktplatz. Daher wurde die bisher im Verfahren befindliche Maßnahme durch den damaligen Bürgermeister Dr. Christian Pundt in Bürgerversammlungen vorgestellt und durch den Gemeinderat in das Verfahren gegeben.
Der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Axel Brammer hatte bereits im September 2019 den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Dr. Althusmann (CDU), angeschrieben. Der machte sich dann im Sommer 2020 vor Ort selbst ein Bild von der Situation. Er war von den Planungen überzeugt und stellte eine Förderung in Aussicht. Auf den entsprechenden Förderbescheid in Höhe von 800.000 Euro wartet die Gemeinde Hatten allerdings immer noch.
Landrat Dr. Pundt erklärte auf Nachfrage bei einem Termin vor Ort, dass das Planfeststellungsverfahren zum Ende gebracht wird, wenn eine Entscheidung gefällt wurde. Dieses Verfahren hatte auf Grund privater Einwendungen einige Zeit in Anspruch genommen.
Deshalb ergibt es aus Sicht der SPD-Fraktion keinen Sinn, die bisherigen Planungen, die eine sechsstellige Summe gekostet haben, aufzugeben. „Die aktuelle Planungsgrundlage muss stets im Gesamtkonzept der Dorferneuerung bewertet werden“, so Axel Brammer. Für neue Planungen würde wieder viel Zeit ins Land gehen. Der Busknotenpunkt würde dann frühestens 2029, eher 2030 fertig. Der alte Rat sollte das bisher beschlossene Verfahren nicht ändern. Der Busknotenpunkt wird inzwischen von zwei zusätzlichen Buslinien angefahren. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Verkleinerung weder sinnvoll noch zukunftsorientiert. Im Gegenteil: Die gestiegene Nutzung unterstreicht die Bedeutung des Standorts und spricht für den Erhalt einer leistungsfähigen Infrastruktur.
Es ist kaum nachzuvollziehen, dass im Jahr 2025 von den bereitgestellten 37,5 Milliarden Euro für Infrastruktur- und Klimaschutzmaßnahmen auf Bundesebene nur rund 24 Milliarden Euro abgerufen wurden. Angesichts maroder Infrastruktur und zahlreicher notwendiger Investitionen sollten verfügbare Fördermittel konsequent genutzt werden. Projekte wie der Wiederaufbau der zerstörten Huntebrücke zeigen, wie wichtig eine schnelle und umfassende Inanspruchnahme solcher Förderprogramme für die Kommunen und Regionen ist. So etwas lässt sich medial auch gut vermarkten. Ein “kleiner” Buswendeplatz Hatten bleibt dann auf der Strecke, obwohl das Geld eventuell zur Verfügung stehen könnte. Alle reden von der Förderung der ländlichen Räume. Das muss dann auch geschehen. Wir können nur appellieren, eine jahrelange Planung nicht zu kippen, um dann Ewigkeiten auf einen Buswendeplatz zu warten. Eine andere Lösung kann auch der neue Rat immer noch beschließen.
Landrat Dr. Christian Pundt und der SPD-Landtagsabgeordnete Thore Güldner haben bezüglich der Verhandlungen mit den entsprechenden Behörden ihre Unterstützung zugesagt.
Eine letzte Information zum Schluss:
Der Finanz- und Wirtschaftsausschuss hat die vorgeschlagenen Einsparungen in Höhe von ca. 2,4 Millionen Euro (Busknotenpunkt und Bürgerhaus) nicht beschlossen. Nach der Sitzung wurde zudem bekannt, dass die Gemeinde Hatten Gelder für notwendige Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 5,1 Millionen Euro bekommt. Das entschärft die Haushaltssituation der Gemeinde und die Mittel sollten dann auch mit für diese und andere lange bereits geplante Infrastrukturmaßnahmen genutzt werden.







