Schritt für Schritt zum Wil­des­hau­ser Ener­gie­sys­tem: Alle kön­nen mit­ma­chen

Kli­ma­neu­tral bis 2035 – die­ses ambi­tio­nier­te Ziel hat sich der Rat der Stadt Wil­des­hau­sen gesetzt. Ein zen­tra­les Puz­zle­teil dabei ist die kom­mu­na­le Wär­me­pla­nung.

Doch was ist das über­haupt? Die kom­mu­na­le Wär­me­pla­nung beschreibt einen Weg, wie die Wär­me­wen­de hin zu einer kli­ma­neu­tra­len, effi­zi­en­ten und ver­läss­li­chen Wär­me­ver­sor­gung in Wil­des­hau­sen gelin­gen kann. Auf einer Online-Kar­te auf der Inter­net­sei­te der Stadt Wil­des­hau­sen kön­nen Immo­bi­li­en­be­sit­ze­rin­nen und Immo­bi­li­en­be­sit­zer sehen, wel­chen Ener­gie­trä­ger Exper­tin­nen und Exper­ten für ihre Stra­ße emp­feh­len. Die Stadt wur­de dabei in poten­ti­el­le Gebie­te für Wär­me­pum­pen, Nah­wär­me­net­ze oder eine Ver­sor­gung durch grü­ne Gase (Bio­gas) Bio­gas unter­teilt.

Mit der Fra­ge, wel­che Rol­le Bio­gas spie­len und wie ein effi­zi­en­tes kom­mu­na­les Wär­me­netz ent­wi­ckelt wer­den kann, beschäf­tigt sich ein Pro­jekt­team rund um Arne Schnit­ger als Ver­tre­ter aller sie­ben Wil­des­hau­ser Bio­gas­an­la­gen. „Wir pro­fi­tie­ren in Wil­des­hau­sen von der loka­len Erzeu­gung erneu­er­ba­rer Ener­gien und möch­ten ein gemein­sa­mes Wär­me­kon­zept eta­blie­ren“, for­mu­liert Schnit­ger das kla­re Ziel der Grup­pe.

Geplant ist, in vier Wil­des­hau­ser Quar­tie­ren jeweils eine Wär­me­zen­tra­le bestehend auch Bio­gas-Block­heiz­kraft­werk, Wär­me­spei­cher und Groß­wär­me­pum­pe zu errich­ten. Das eige­ne Wär­me­netz sichert die Wär­me­ver­sor­gung und ermög­licht die Auf­nah­me von Abwär­me aus Indus­trie und Gewer­be. „Auch da wer­den wir in Zukunft Gesprä­che mit den loka­len Unter­neh­men füh­ren“ zeigt sich Schnit­ger offen. Dabei sol­len die Wil­des­hauser­in­nen und Wil­des­hau­ser die Mög­lich­keit erhal­ten, sich über die Ener­gie­ge­nos­sen­schaft Olden­bur­ger Land (EEGENO) an der Wert­schöp­fung zu betei­li­gen und damit aktiv die Wär­me­wen­de mit­zu­ge­stal­ten.

So könn­ten bei­spiels­wei­se im Nord­wes­ten rund 1.000 Gebäu­de und im Süd­os­ten rund um das Schul­zen­trum etwa 1.600 Gebäu­de mit kli­ma­freund­li­cher Wär­me aus einem Wär­me­netz ver­sorgt wer­den, wel­ches die dezen­tral erzeug­te Wär­me in die Haus­hal­te bringt. In jedem Quar­tier sind dafür rund 25 Kilo­me­ter Wär­me­lei­tun­gen erfor­der­lich.

Gemein­sam mit der Stadt Wil­des­hau­sen wird der­zeit an der Aus­schrei­bung einer Mach­bar­keits­stu­die gear­bei­tet. „Wir sind über­zeugt, dass wir Wil­des­hau­sen gemein­sam zu einem Vor­rei­ter machen kön­nen“, freut sich Schnit­ger über die part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit.

Der von der SPD unter­stütz­te Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat Mat­thi­as Ruh­le und die Wil­des­hau­ser SPD wol­len die­se Zusam­men­ar­beit wei­ter ver­tie­fen: „Die kom­mu­na­le Wär­me­pla­nung muss erleb­bar gemacht und die Men­schen müs­sen über­zeugt wer­den. Dabei muss sich auch die Ver­wal­tung noch stär­ker ein­brin­gen und die Wil­des­hauser­in­nen und Wil­des­hau­ser mit­neh­men“, zeigt sich Ruh­le über­zeugt.

Die Wil­des­hau­ser Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten stel­len sich vor, dass die Ver­wal­tung gemein­sam mit loka­len Part­nern die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in den jewei­li­gen Wohn­ge­bie­ten über die Mög­lich­kei­ten der Wär­me­ver­sor­gung infor­miert. „So sor­gen wir für Akzep­tanz und zei­gen, dass die Wär­me­wen­de bezahl­bar mög­lich ist“, fasst Mat­thi­as Kluck das Wahl­pro­gramm der Sozi­al­de­mo­kra­ten zusam­men.

Ein wei­te­rer posi­ti­ver Effekt der Bemü­hun­gen: Beim Aus­bau der Wär­me­infra­struk­tur kön­nen Syn­er­gien genutzt wer­den. Denn dort, wo Wär­me­lei­tun­gen ver­legt wer­den, ist gleich­zei­tig Platz für ande­re Ver­sor­gungs­lei­tun­gen, wie bei­spiels­wei­se für eine eige­ne Lade­infra­struk­tur. „Dadurch las­sen sich Bau­ar­bei­ten bün­deln und Kos­ten redu­zie­ren“, sagt die SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Eve­lyn Goos­mann. Wich­tig ist dabei: Der Anschluss an das Wär­me­netz soll frei­wil­lig erfol­gen – einen Anschluss­zwang wird es nicht geben.

Neben der Umset­zung die­ses Groß­pro­jekts plant das Pro­jekt­team die Ein­rich­tung eines Ener­gie­wen­de­bü­ros. „Dort könn­ten wir die Wil­des­hauser­in­nen und Wil­des­hau­ser indi­vi­du­ell bera­ten und noch mehr Akzep­tanz schaf­fen“, schwärmt Schnit­ger von dem Gesamt­kon­zept.

Dabei bleibt die Pio­nier­ar­beit der Grup­pe auch im Land­kreis Olden­burg nicht unbe­merkt. Auch der SPD-Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat der Gemein­de Hat­ten, Ger­rit Edel­mann, beglei­te­te die Som­mer­rad­tour der Wil­des­hau­ser SPD. „Die Zusam­men­ar­beit ver­schie­de­ner Akteu­re macht sol­che Pro­jek­te nur bes­ser. Ich habe heu­te vie­le Ein­drü­cke mit­ge­nom­men, die auch für Hat­ten inter­es­sant sind“, fasst Edel­mann zusam­men.

Die SPD-Som­mer­rad­tour mach­te deut­lich: Die Wär­me­wen­de kann nur gemein­sam gelin­gen. Mit regio­na­len Ener­gie­quel­len, moder­ner Infra­struk­tur und einer akti­ven Betei­li­gung der Men­schen vor Ort bie­tet sich für Wil­des­hau­sen die Chan­ce, die Ener­gie­ver­sor­gung der Zukunft nach­hal­tig und unab­hän­gig zu gestal­ten – ganz nach dem Leit­ge­dan­ken: Regio­nal gedacht. Lokal gemacht.

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